NO GOODS - Geschichte

"Zwischen Humor und Agitation, zwischen Resignation und Liebe zur eigenen Stadt entstehen musikalische Perlen" (SZ über NO GOODS)

Peter, Tschinge Krenn und Du, Ihr seid ja seit frühester Kindheit Freunde und habt auch zusammen schon als Jungs in der Punk-Band „Condom“ gespielt. Warum habt Ihr dann die NO GOODS gegründet?

 

Na ja, als dann so um die 1982 der Punk nicht mehr das war für was wir damals gestanden haben, und eher in Richtung Kommerz gegangen ist und sich nur noch selbst zitiert hat, haben wir uns nach „Condom“ natürlich ein anderes Mittel suchen müssen um unsere Haltung auszudrücken.

Wir haben dann viele verschiedene Formationen ausprobiert z.B. mit „Gutter Virtues“ (und auch anderen Bands) mit denen wir noch etwas härter unterwegs waren eine Musikmischung vergleichbar mit Birthday Party, Black Flagg, damals verpöntem Reggae und deutschem Gesang. Man hat nun Abgründe und den Schmerz des Scheiterns und des Überlebens gesucht. Harte Drogen haben damalas eine große Rolle gespielt und das Schlachtbeil der Droge hat viel Schaden angerichtet. Mir und Tschinge war Musik immer Droge genug!!!! Wir haben uns dann 1985/86 in den „NO GOODS“ gefunden.


Ihr seid dann 1992 zu Trikont gekommen...

 

...ja, die NO GOODS waren ja vorher bei einem andern Label unter Vertrag und da haben wir auch unsere erste Platte aufgenommen. Mit englischen Texten damals. Nach der Neuen Deutschen Welle konnte ja keiner mehr Deutsch hören und es war ein totales Unding noch Deutsch zu singen. Diese erste Platte kam 1987 raus. Die Vermarktung war aber nicht so einfach.... die Platte war leider ein großartiger Flop.
 Wir haben zu dieser Zeit auch noch in verschiedenen Besetzungen gespielt. Die Konstanten in der Band waren immer Tschinge und ich. Aber Percussion haben ganz unterschiedliche Leute gespielt, die auch immer unterschiedliche Akzente gesetzt haben und die Band auf verschiedene Weise beeinflusst und auch  weiterentwickelt haben.
 Nach ein paar weiteren Jahren Arbeit hatten wir dann die Möglichkeit im Rahmen der Theaterfabrik bei Wolfgang Nöth einen Wettbewerb zu spielen. Das war beileibe nicht der einzige Wettbewerb bei dem wir mitgemacht haben (haha), aber der blieb in Erinnerung, weil er für uns einen echten Wendepunkt darstellte. 
Wir haben bei diesen Wettbewerb den zweiten Preis gewonnen - 3000 DM.
 Das war der Auslöser für den Schritt zu Trikont.
 Mit dem Preisgeld konnten wir die Demo Aufnahme für unser nächstes Album finanzieren und Trikot damit begeistern...Diese Aufnahmen waren da noch in Englisch.

Achim und Eva haben uns aber nach langen Gesprächen überzeugt wieder in Deutsch zu singen. Ich hab mich mit Trikont ein Jahr lang regelmäßig getroffen und hab mich sehr von Achims und Evas Ansichten zur deutschen Pop Geschichte inspirieren lassen.

Ihre Haltung, dass man sich am besten in seiner Muttersprache ausdrückt, wenn man wirklich etwas zu sagen hat, hat uns überzeugt und die Platte hat dadurch auch ungemein gewonnen. So entstand dann „17 Lieder“.
Das war mutig damals, aber der absolut richtige Schritt. Trikont hatte da schon immer eine eigenständige Denke, die sehr gut mit den NO GOODS harmonierte.

(Link Lieder: „17 Lieder“)


(Link Fotos/Film: „17 Lieder“???)

Tschinge Krenn und Peter Pichler


v.l.: Tschinge Krenn, Jan Kahlert, Peter Pichler


Es folgten dann noch zwei weitere Alben „2 x 23min.“ in 1994 und „Rimini – Sendling –Hasnbergl“ im Jahr 2000. Wie hast Du diese beiden Alben in Erinnerung?

 

Ja, „2 x 23min“ war wild. Einfach nur absolut wild. Die Hälfte des Albums, also 23 min. Live in einem Take bei einem Konzert im Theatron aufgenommen und die andere Hälfte im Studio.
Der arme Markus! Markus Böker spielte damals Schlagzeug und der hat das tatsächlich bis zur vollständigen Erschöpfung durchgezogen. Technobeat live ohne eine einzige Pause im Konzert. Wahnsinn! Das war schon ein abgefahrenes Projekt. In Spanien war diese CD ein Hit. Dirk Wagner erzählte mir wie er in einem Club in Barcelona die ganze CD hörte. Nachdem er dem Clubchef erzählte, dass er uns kennt, hatte er die ganze Nacht freien Zugang zur Bar... das erzählt er mir immer wenn ich ihn treffe...

(Link Lieder: „2 x 23min.“)


(Link Film: „Theatron Aufnahme???)


Nach „2 x 23min.“ spielten wir viel live, machten viele musikalische Experiment und ich studierte gleichzeitig Neue Musik, klassische Gitarre und Renaissance Laute und saugte die ganze Welt der Musik in mich auf.
Aber Ende der 90er war es dann wieder so weit und wir haben beschlossen ein neues Album zu machen. Dieses Mal sollte das aber nicht nur ein Tondokument werden, sondern wir drehten einen Film dazu, der die Aussage der einzelnen Lieder noch unterstreicht. Das hat dann immer noch ein paar Jahre gedauert, wir mussten ja alles selbst finanzieren, aber „Rimini-Sendling-Hasnbergl – Willkommen in Europa“ als Film und Album ist eine wunderbare Geschichte geworden.... Wenn man sich die Situation heute anschaut, hat das Album absolut nichts an Aktualität eingebüßt – im Gegenteil. Im Film spielen wir zwei Italiener die eigentlich Albaner sind und von Italien nach Deutschland reisen um den ersten Gastarbeiter in München zu besuchen. Wir sprechen nur Italienisch. Der Film ist mit Untertitel und wir machen natürlich viel Musik....

(Link Film: R-S-H)

(Link: Lieder R-S-H)

"Harter Tobak was NO GOODS alias Peter Pichler und Tschinge Krenn…abliefern. Doch diesen Stoff gilt es zu genießen… Die Instrumentierung ist so krass wie die Texte…"

(Göppinger Nachrichten über NO GOODS)

Die Presse hebt in ihren Kommentaren zu den NO GOODS eigentlich immer den Überraschungsfaktor bei Euch als Band und in Euren Liedern hervor. Was macht Ihr denn anders als Andere?

 

Nach wie vor kommen wir ja nicht aus der Ecke: „Musik machen um zu gefallen.“
Wir nutzten dieses Mittel um unsere Einstellung und unsere Wertehaltung darzustellen. Das Leben machte ja was aus uns. Das geht in einen rein und Musik kommt raus. Das hat die NO GOODS auch nicht unberührt gelassen. Unsere Wohlstandsgesellschaft macht es einem Künstler auch nicht so leicht. Tschinge und ich kommen gesellschaftlich aus dem unteren Bereich. Er war Deutschlands bester Maurerlehrling und ich sollte bei uns im Lokal Oberkellner werden. Da verbirgt sich natürlich viel Lebensstoff zum Ausarbeiten, zu verstehen, zu lernen, zu verkraften und dann kostet es viel Kraft sich in die Hochkultur zu kämpfen. Da ist man zunächst nicht gerne gesehen - in den Reihen der Theoretiker.

Auf jeden Fall sind es zum Teil sehr komplexe Gefühle die mich bewegen und die eben nicht mit den „normalen“, gewohnten und vor allem erwarteten musikalischen Mitteln transportiert werden können.
Wenn ich will, dass mir jemand zu hört, muss ich ihn aus seiner Welt rausholen, damit ich überhaupt erst einmal seine Aufmerksamkeit habe. Das geht nur mit dem Unerwarteten.

Bei den NO GOODS sind die Arrangements daher immer sehr wichtig. Als wir anfingen mit Percussion, Kontrabass und Akkordeon wurden wir schon belächelt. Das Akkordeon hatte einfach einen komplett anderen Ruf und viele konnten sich das Instrument absolut nicht im Avantgarde-Pop vorstellen. Trikont hingegen fand das super! Die Mischung aus unterschiedlichsten Instrumenten, die sich aber in den Liedern hervorragend ergänzen und den typischen NO GOODS Sound ausmachen, gepaart mit verschiedensten Musikstilen und lyrisch-poetischen Texten auf Deutsch fordert die Zuhörer und regt sie auf unterschiedlichste Art an, sich mit den Liedern auseinanderzusetzen.

Unsere Musik weckt widersprüchlichste Gefühle bei den Leuten und das ist gut! Wir waren aber gleichzeitig auch immer eine sehr unterhaltsame Band und wussten wie wir die Zuhörer immer wieder auf Neue begeistern können. Der Show-Faktor ist wichtig, den haben wir nie unterschätzt!


Jetzt gibt es ja wieder ein ungewöhnliches Instrument, das Ihr in Eurer Musik verwendet. Das Trautonium. Was ist das denn?

 

Das Trautonium ist ein absolut faszinierendes Instrument, mit dem ich mich schon lange beschäftige. Das ist quasi der Großvater des Synthesizers.
Ich spiele damit auch klassische Musik und mache Filmvertonungen.


(Link: peterpichler-trautonium.com)

(Link: Film/Erklärung Trautonium)

Für die NO GOODS ist es ideal, weil es unendlich viele musikalische Klangfarben und Sound-Möglichkeiten bietet, die mit herkömmlichen Instrument und auch mit modernster Computertechnik nicht in dieser Wärme und Eindringlichkeit zu erreichen sind.

Es ist eben kein Synthesizer oder kalter Computer. Es ist ein richtiges Instrument. Unglaublich wie eindringlich man damit Emotionen vermitteln kann.
Das verlangt schon einiges an Arbeit, weil es absolut schwer zu spielen ist. Es gab ja auch nur einen großen Künstler, der das Ding gespielt hat – Oskar Sala - Aktuell bin ich wohl der Einzige, der diesen Dinosaurier der Elektromusik wieder belebt.

Diese Instrumente gibt es ja nicht zu kaufen. Deshalb habe mir vor ein paar Jahren ein großes Mixtur-Trautonium und ein paar kleiner Instrumente, genannt Volkstrautonium, von Jürgen Hiller original getreu nachbauen lassen.

Mit diesem „Trautonium-Trio“ hatten wir inzwischen auch schon einige Test-Auftritte.
Tschinge und Jan Kahlert, der im Laufe der Produktion des letzten Albums als Percussionist zu uns gestoßen ist, spielen dann auf den Volkstrautonien und ich auf dem größeren Mixtur-Trautonium. Ergeben hat sich daraus, dass das Instrument für die Musik der NO GOODS wie geschaffen ist.

Wir werden sehen was daraus noch alles entsteht.
Die NO GOODS werden ihrem Ruf auch heute wie damals gerecht und werden - wie immer - das Unerwartete präsentieren, das es sonst im normalen „Musikbetrieb“ nicht zu hören gibt.

(Fotos: Digital / Analog???)

 

Peter am Trautonium

Trautonium- Trio: Peter, Tschinge, Jan



Kontakt

Pamela Rachholz

Tel. +49 (0)174 342 06 45

mail: kontakt@nogoods.de